Meinungsartikel: Eine allgemeine Impfpflicht wird die Gesellschaft befrieden und nicht spalten

Meinungsbeitrag in der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung (SZ/BZ) vom 29. Dezember 2021
Die Frage, ob eine allgemeine Impfpflicht sinnvoll ist, muss aus mehreren Perspektiven betrachtet werden. Aus epidemiologischer Sicht ist es klar: Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind sicher und verhindern einen schweren Krankheitsverlauf. Nur eine deutlich höhere Impfquote wird unser Gesundheitssystem in Anbetracht der neuen, deutlich ansteckenderen Virus-Varianten vor der Überlastung schützen, damit Leben retten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Krankenhäusern entlasten.
Manche befürchten, eine allgemeine Impfpflicht könne zu Spaltungen in der Gesellschaft führen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Geschichte zeigt uns, dass nur eine Impfpflicht mittelfristig die Gesellschaft befriedet. Mit ihr wird die Pandemie – und damit der Grund für die vielen sozialen und wirtschaftlichen Ängsten und Sorgen – eingedämmt. Außerdem wird Menschen, die sich öffentlich gegen die Impfung positioniert haben, ein Weg eröffnet, sich ohne Gesichtsverlust impfen zu lassen.
Keine allgemeine Impfpflicht einzuführen würde die Gesellschaft spalten. Die große Mehrheit der Menschen verhält sich solidarisch, hat sich impfen lassen, beachtet die Abstands- und Hygieneregeln, verzichtet zum Allgemeinwohl auf Geburtstagsfeiern und verschiebt Hochzeiten. Wenn wir nicht alles tun, um die Impfquote zu erhöhen und damit weitere Corona-Wellen zu verhindern, verlieren diese Menschen, die sich immer solidarisch verhalten haben, das Vertrauen in den Staat und die Gesellschaft. Das muss verhindert werden. Daher fordere ich die neue Bundesregierung auf, zeitnah einen Gesetzesentwurf zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht in den Deutschen Bundestag einzubringen.